Andacht des Monats

Liebe Freunde,

für die Jünger Jesu starb dort am Kreuz nicht nur Jesus, sondern auch ihr Glaube.

Sie hatten doch so viel mit ihm erlebt! Sie hatten doch so viel von ihm gehört! Sollte das alles nichts gewesen sein?

Sie haben mit Jesus gerechnet, mit der Aufrichtung seiner Herrschaft - und jetzt so ein schmähliches Ende? Gefangengenommen, schließlich hingerichtet wie ein Verbrecher. Konnte so jemand Gottes Sohn sein?

Nach der damals üblichen religiösen Auffassung musste das bedeuten, dass Gott eben nicht auf seiner Seite steht, sondern Jesus verworfen hat. So einen schmählichen Tod verdienen wahrlich nur Verbrecher, denen mit dem Todesurteil vermittelt wird: „Du bist es nicht wert zu leben. Hättest du dich auf Gottes Seite gestellt, wäre dir dies nicht passiert.„

Nein, die ersten Nachfolger von Jesus konnten sich partout nicht an sein Kreuz gewöhnen! Zu klar, zu eindeutig schien seine Aussage zu sein. Wer so schändlich stirbt, ist von Gott verlassen!

Und so haben die frühen Anhänger mit dem Tod von Jesus gerungen. Sie haben nach Deutungsmustern gesucht, diesen Tod zu verstehen. Und sind dabei auf Jesaja 53 gestoßen. Dieses Kapitel hat den ersten Christen zu einer ganz neuen Sicht des Kreuzestodes von Jesus verholfen. Und so lesen wir in Jesaja 53, 3-5:

Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.

4 Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. 5 Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Das Leiden und Sterben des Herrn Jesus wird nicht als Strafe oder Todesurteil Gottes gesehen, sondern es ist gerade das Gegenteil. Weil er so verachtet und geschlagen ist, steht Gott besonders für ihn ein. Er leidet nicht, weil Gott gegen ihn ist, sondern weil Gott für ihn ist. Hier gilt eben nicht: Wenn es dir schlecht geht, dann hast du auch schlecht gelebt. Nein, hier ist genau das Gegenteil der Fall. Dem HERRN Jesus geht es gerade so schlecht, weil Gott für ihn ist. Das Leiden Jesu ist ein unschuldiges, unverdientes Leiden.

Die frühen Christen haben durch ein altes Lied erfahren: „Wir Menschen sind von Gott so unendlich geliebt, dass er seinen Sohn für uns gibt. Er sucht so dringend unsere Gemeinschaft, möchte uns aus unserer Gottesferne befreien, dass er bereit ist, den höchsten Preis zu zahlen: den Tod seines Sohnes.„

Für mich hat Jesus Christus das ganze Leid getragen. Ich möchte das mit einer Geschichte verdeutlichen:

Ein Segelschiff war auf seiner Fahrt von Bremen nach Valparaiso unterwegs. Die Hälfte der Route war gerade zurückgelegt, als der Kapitän Peter Jensen schwer krank wurde. Als er spürte, dass er nicht wieder gesund werden würde, ließ er den ersten Steuermann rufen und empfing ihn mit den Worten: „Mit mir geht es zu Ende. Ich werde den Hafen nicht mehr erreichen. Aber wie komme ich in den Hafen bei Gott? Sagen Sie mir doch, was ich machen soll!„ Der Steuermann antwortete ratlos: „Kapitän, das weiß ich auch nicht. Ich habe immer meine Pflicht getan, aber um Gott und solche Dinge habe ich mich nicht gekümmert.„

Auch der zweite Steuermann und die anderen Besatzungsmitglieder konnten dem Kapitän nicht raten und helfen. Als Letzter wurde der Schiffjunge gerufen. „Karl Müller, hast du eine Mutter zu Hause?„ fragte der Kapitän. „Jawohl, Herr Kapitän. Und als ich abreiste, hat sie mir eine Bibel geschenkt!„ „Hast du die Bibel hier, mein Junge?„ „Jawohl, Herr Kapitän. Und ich habe meiner Mutter versprochen, täglich darin zu lesen.„ „Hol die Bibel und lies mir daraus etwas vor, das zum Sterben hilft!„

Der Schiffsjunge holte seine Bibel und las Jesaja 53 vor. Beim fünften Vers stockte er und fragte: „Herr Kapitän, darf ich den Vers so lesen, wie ihn mir meine Mutter lesen lehrte?„

„Ja, lies.„ Da las der Junge: „Aber er ist um Karl Müllers Missetat willen verwundet und um Karl Müllers Sünde willen zerschlagen. Karl Müllers Strafe liegt auf ihm, auf das Karl Müller Frieden hätte und durch seine Wunden ist Karl Müller geheilt!„

„Halt!„, rief der Kapitän und richtete sich mühsam auf. „Das ist es, was ich brauche. Lies den Vers noch einmal und setze meinen Namen ein!„ Der Schiffsjunge las: „Aber er ist um Peter Jensens Missetat willen verwundet und um Peter Jensens Sünde willen zerschlagen. Peter Jensens Strafe liegt auf ihm, auf dass Peter Jensen Frieden hätte, und durch seine Wunden ist Peter Jensen geheilt!„

Wir denken am Karfreitag nicht einfach an den Tod von Jesus, sondern wir fragen uns ganz konkret, was er für uns zu bedeuten hat.

Der Kapitän hat die Bedeutung für sein Leben und Sterben begriffen und darauf vertraut. Und so sind wir alle eingeladen diese Worte in unsere Lebenssituationen hinein zu buchstabieren.

So lasst uns diesen Karfreitag feiern im persönlichen Glauben und persönlicher Dankbarkeit für all das, was unser HERR Jesus am Kreuz vollbracht hat.

Apostel Johannes drückt es im Johannesevangelium Kapitel 3, Vers 16 so aus:

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.

Mit freundlichem Gruß
Ihre Marianna Nowak