Andacht des Monats



Liebe Freunde,

Martin Luther King steht vor 250 000 Menschen. Langsam geht er zum Mikrophon. Er holt seinen Manuskriptzettel heraus. Er entfaltet ihn. Aber dann steckt er ihn doch gleich wieder in seine Tasche. Er beginnt zu reden. Die Leute hängen an seinen Lippen. Er beginnt leise und langsam. Dann kommt immer mehr Feuer in seine Rede. Seine Stimme wird lauter.

Dann bricht es aus ihm heraus:

„Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können... Ich habe einen Traum, dass meine vier Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt... Das ist unsere Hoffnung.“

Martin Luther King öffnet seinen Zuhörern einen neuen Horizont, einen Horizont der Hoffnung.

Aber was ist aus einem Traum geworden? 1963 hielt er diese Rede – und nun, 51 Jahre später, wie sieht es da aus?

Heute möchte ich mit Ihnen auf einige Worte aus der Bibel hören. Es ist auch ein Traumbild, eine Vision. Gott schenkt Jesaja einen Blick in die Zukunft. Diese Zukunftshoffnung steht in

Jesaja 25, 6 – 9 Und der HERR Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist. Und er wird auf diesem Berge die Hülle wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind, und die Decke, mit der alle Heiden zugedeckt sind.

Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat's gesagt.

Zu der Zeit wird man sagen: »Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.«

Beeindruckende Worte – sie lassen die Zukunftshoffnungen von Martin Luther King noch weit hinter sich. Welch schöne Bilder der Zukunft! Ich möchte jetzt nur drei dieser Visionen des Propheten Jesaja herausgreifen.

Die erste Vision: Der Prophet lebt in einer Zeit, in der das Kriegsgeschrei nicht enden will. Tote liegen auf den Schlachtfeldern, die Schmerzensschreie der Verwundeten hallen ihm in den Ohren.

Und dann darf er einen Blick in die Zukunft tun. Er sieht eine große Tafel, auf der köstlichste Speisen stehen. Ihm läuft das Wasser im Mund zusammen. Und er sieht Gott, der an der Spitze der Tafel sitzt – Gott hat alle zu diesem großen Fest eingeladen. Die Menschen sprechen mit ihm von Angesicht zu Angesicht. Alle Nationen, auch die, die sich einst bekriegt haben, haben sich versammelt. Nun sitzen sie friedlich nebeneinander, ohne Streit, ohne Zwietracht.

Und der Prophet sieht noch mehr – die zweite Vision. Er lebt in einer Zeit, in der geweint wird. Menschen krümmen sich vor Schmerzen auf ihren Krankenlagern. Der Schmerz treibt ihnen die Tränen in die Augen. Und – was fast genauso schlimm ist – sie sind isoliert von den andern.

Und dann blickt Jesaja in die Zukunft. Wieder sieht er Gott. Er sieht wie Gott zu jedem hingeht, der weint. Er sieht, wie Gott zu jedem und jeder hingeht und wie er tröstet und wie er jede einzelne Träne abwischt.

Und schließlich noch die dritte Vision des Propheten. Er lebt in einer Zeit, in der der Tod allgegenwärtig ist. Da sterben Menschen in den besten Jahren ihres Lebens. Sie hätten noch so viel vor sich gehabt , sie hätten noch so viel erleben können. Und dann hat sie der Tod verschlungen – mitten im Leben.

Und dann blickt Jesaja in die Zukunft. Wieder sieht er Gott – er sieht  in seine liebenden Augen, er sieht,  dass Gott die Menschen immer bei sich haben will. Und deshalb schafft er den Tod für immer aus der Welt.

Es ist deshalb gut, wenn wir diese Vision des Jesaja im Licht von Ostern noch einmal an uns vorbeiziehen lassen.

Zunächst einmal: Jesaja beobachtet Kriege in dieser Welt, er beobachtet Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Das war in der langen Geschichte der Menschheit noch nie anders gewesen. Aber mit Jesus ist etwas Neues in diese Welt gekommen. Dort, wo er ist, gehen Menschen anders miteinander um. 

Dazu ein Beispiel: Im Busch von Neuguinea trafen sich einmal die Gemeinden der umliegenden Stämme zu einem rauschenden Fest. Zum Abschluss wurde gemeinsam Abendmahl gefeiert. Bei dieser Abendmahlsfeier erhob sich einer – es war der Stammesälteste – und sagte: „Freunde seht euch um! Aus wie vielen Stämmen kommen wir! Die einen kommen vom Fluss, die anderen vom Berg. War das früher möglich? Nein! Da mieden wir uns, und wo wir aufeinander trafen kam es zu Kampf und Streit.

Wie ist es möglich, dass wir einander jetzt im Frieden und ohne Waffen begegnen?

Das hat das Evangelium von Jesus Christus gemacht, an dessen Tisch wir eben als Gäste waren.“

Schön, nicht? Wenn Jesus Christus mein Leben bestimmt, dann kann er mich frei machen von Hass und Intoleranz. Wenn er gegenwärtig ist, dann kann mir die Kraft zuwachsen, einem anderen verzeihen und neu mit ihm anzufangen. 

Gott ist auf dem Weg, die Vision des Jesaja von einer neuen Welt zu verwirklichen. Es soll eine Welt sein ohne Krieg, ohne Tränen und ohne Tod.

Mit der Auferstehung von Jesus hat er es bestätigt, dass er es ernst meint mit diesem Versprechen. Jesus hat dem Tod schon die Macht genommen.

Gott ist auf dem Weg, aber die letzte Verwirklichung dieser Verheißung steht noch aus. Es gibt noch Tod, Kriege und Tränen. Aber der Tag, den Jesaja gesehen hat, kommt, der Tag, an dem Gott eine neue Welt schaffen wird. Darauf warte ich und danach sehne ich mich.

Ich freue mich darauf, einmal zu Gottes großem Festmahl eingeladen zu werden. Zu diesem Fest, bei dem Gott mit mir am Tisch sitzt, dort, wo  ich ihn sehen und fragen kann... Und ich glaube fest daran, dass ich dann auch in den Jubel der Festgemeinde mit einstimmen werde: „Siehe, das ist der HERR, auf den wir hoffen; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil!“

Mit lieben Grüßen

Ihre
Marianna Nowak